Deutsche Presseagentur im September 1996

Der weltgrösste Busbahnhof steht in Tel Aviv

Tel Aviv (dpa) - Der größte Busbahnhof der Welt steht nach dem Guinness-Buch der Rekorde in Tel Aviv: ein sieben Stockwerke hoher und 230 000 Quadratmeter umfassender Beton-Klotz, nationaler Verkehrsknotenpunkt und Einkaufszentrum in einem.

In seinen weitläufigen Gängen kann man einen Fernseher kaufen, eine Kunstausstellung besuchen, zu Mittag essen oder auf den Bus zum Strandurlaub am Roten Meer warten. Drei Jahre nach der Eröffnung wird immer noch an dem Komplex gebaut: Ein Büroturm mit insgesamt noch einmal 40 000 Quadratmeter nutzbarer Fläche soll dem Bau jetzt die Krone aufsetzen.

Noch vor einigen Jahren begegneten Busreisende in Tel Aviv einer Rarität: Der alte, noch aus Mandatszeiten stammende Busbahnhof war im Nahen Osten berühmt für seine Mischung aus abendländischer und morgenländischer Kultur. Ein ganzes Stadtviertel beherbergte Haltestellen, Ramsch- und Gemüseläden sowie Hunderte von Straßenhändlern.

Viele der Marktstände sind im alten Viertel geblieben, doch die Reisenden eilen jetzt durch die klimatisierten Hallen der neuen Station zu ihren Bussen, nur einige hundert Meter von der alten Station entfernt. Elektronische Anzeigetafeln und automatische Türen lassen hier Flughafenatmosphäre aufkommen.

Mehr als 100 000 Menschen besuchen die neue Busstation täglich; 5 000 Busse fahren Tag für Tag (außer am Sabbat) die Betonrampen hinauf und hinunter. Doch von den 1 200 Geschäften sind bislang nur knapp die Hälfte belegt. Die Erklärung dafür ist einfach: Nicht alle Buslinien der beiden nationalen Busgesellschaften sind von der alten in die neue Station umgezogen - Streitigkeiten der Gesellschaften mit der Stadtverwaltung um Besitzrechte an dem Areal des alten Bus-Terminals sind der Grund.

So warten viele der neuen Bus-Parkbuchten noch auf etwa 40 Prozent der Stadtbuslinien und ein Viertel der Intercity-Verbindungen. Kommen die übrigen Buslinien, wird der Kommerz auch in die bislang ungenutzten Bereiche der neuen Station einziehen. Dabei ist die neue zentrale Busstation nach Angaben der Betreiber jetzt schon das größte Einkaufszentrum im Nahen Osten. Vor 30 Jahren als Bus-Terminal mit Einkaufsmöglichkeit geplant, ist die zentrale Busstation heute mehr eine Shopping-Mall mit angehängter Bushaltestelle, wie Michael Zefania, Verkaufsleiter der Betreibergesellschaft, anmerkt.

Geschäfte, Banken, Restaurants und Büros in der zentralen Busstation werden demnächst um einen Kino-Komplex ergänzt. "Stadt in der Stadt" nennt Zefania dieses Konzept. "Alles unter einem Dach", lautet seine Devise. Unter dem Gebäude befindet sich neben den gewaltigen Klimaanlagen und den Dieselgeneratoren für die Notstromversorgung auch der größte Atombunker Israels für bis zu 60 000 Menschen.

"Für mich schließt sich ein Kreis", sagt Gidon Kottler, Manager der Betreibergesellschaft der neuen zentralen Busstation. Bald sei das Projekt abgeschlossen. Er war schon 1967 dabei, als mit dem Bau der neue Station begonnen wurde. Doch nach dem Jom-Kippur-Krieg 1973 mußte der ursprüngliche Betreiber die Arbeiten aus Geldmangel einstellen. 1983 kaufte der Bauunternehmer Mordechai Yona den Rohbau für fünf Millionen Dollar. Zehn Jahre später, nach Problemen um Konzessionen und Protesten der Nachbarn, die sich über Dieselgestank und Motorenlärm letztlich erfolglos beschwerten, wurde das Terminal seiner Bestimmung übergeben.

Tim Lochmüller 2010 für ml.text&reports // Verwendung nur mit ausdrücklicher Genehmigung

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Busbahnhof in Tel Aviv - Haltestellen

Wartehalle in der zentralen Busstation in Tel Aviv